09.02.2012 0
Wirtschaft: Die Duftstoffherstellung ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region, doch die Rezepturen sind nicht geschützt
Parfümeure aus Grasse mobilisieren in Brüssel gegen Plagiate
Der Duftstoffsektor ist einer der wenigen, der trotz Krise kontinuierlich wächst. In der europäischen Parfümhauptstadt Grasse (Alpes-Maritimes) werden rund 8 Prozent des Weltmarktumsatzes hergestellt. Mit einem Wachstum von 20 Prozent sowie einer Exportrate von 70 Prozent gehört der Sektor zu den Aushängeschildern der französischen Wirtschaft. Dennoch ist die Branche besorgt.
„Eine Duftformel lässt sich nicht patentieren, und ein Urheberrecht reicht nur selten aus. Daher verlässt sich die Branche auf das Geschäftsgeheimnis, wenn es darum geht, ihr wertvollstes geistiges Eigentum, die Formel, zu schützen“, so der IFRA gegenüber France 3. Produktpiraterie in Asien und unzureichender Schutz der Rezepturen aufgrund der Gesetzgebung in den EU-Mitgliedstaaten, erschweren der Branche das Leben.
Verbraucherschützer fordern immer mehr Informationen über die Zusammensetzung der Duftstoffe. Aufgrund von EU-Regelungen, wie die Chemieverordnung REACH, müssen die Firmen immer mehr über ihre Zusammensetzungen preisgeben. Dies öffnet Tür und Tor für Nachahmer-Produkte, die billig in günstigen Produktionsländern hergestellt werden.
Eine weitere Schwierigkeit: „Die EU-Länder haben unterschiedliche Regelungen und diese sind auch noch oft undurchsichtig“, so Stephan Weller, Kommunikationsdirektor des IFRA. Der Verband will eine Vereinheitlichung innerhalb Europas anregen, um den Wirtschaftszweig gegenüber den Mitbewerbern aus anderen Kontinenten zu stärken.
Mit der Veranstaltung „A Sense of Europe“ sollten nun Europa-Parlamentarier in Brüssel auf die Besonderheiten der Branche, wie die aufwändige und langwierige Ausbildung, aufmerksam gemacht und für die Auswirkungen der europäischen Gesetzgebung sensibilisiert werden.
Die Bedeutung für die regionale Wirtschaft ist erheblich: “8.000 Menschen sind in dem Sektor in Frankreich tätig, allein 3.500 davon im Umkreis von Grasse. Mit den Firmen Mane und Robertet kommen allein zwei Weltmarktführer aus der Region“, so der Europa-Abgeordnete der Alpes-Maritimes, Gaston Franco.
Schließlich ist die Duftherstellung eine typisch französische Branche. Die Produktion von Duftstoffen war bis Mitte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich in Frankreich und Spanien angesiedelt, denn dort wuchsen die erforderlichen pflanzlichen Rohstoffe. Noch heute liegt das Zentrum der europäischen Parfümindustrie in Grasse wo 65 der insgesamt 100 französischen Firmen ansässig sind.
SSE
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