23.02.2012 0

Thema Schulen: Drei Hochschulen schließen sich zur Aix-Marseille Université zusammen – für mehr Qualität

Schluss mit der Rivalität

Allein schon die Zahlen sind beeindruckend: mehr als 70 000 Studenten, 7500 Wissenschaftler, Dozenten und Angestellte, 129 Forschungseinrichtungen. Zu Jahresbeginn sind die drei Universitäten in Aix und Marseille – die Université de Provence, die Université de la Méditerranée und die Université Paul Cézanne – zur Aix-Marseille Université fusioniert, der damit größten Universität Frankreichs.

Yvon Berland
Yvon Berland, erster Präsident der "Aix-Marseille Université"

Größe allein ist noch kein Garant für herausragende Forschung und Lehre. Das weiß auch Professor Yvon Berland, seit dem 3. Januar erster Präsident der neuen Universität: «Das Einzigartige an der Aix-Marseille Université ist ihre interdisziplinäre Ausrichtung. Beispielsweise bieten wir einen Studiengang ‘Gesundheitsrecht’ an, der eine Verknüpfung der Disziplinen Jura und Medizin darstellt.»

Berland, Professor für Nephrologie (Wissenschaft der Nierenkrankheiten), war seit dem Jahr 2004 Präsident der Université de la Méditerranée und begann schon kurz nach seinem damaligen Amtsantritt, für den Zusammenschluss der drei Unis zu werben. Sein Ziel: Die Rivalitäten der Hochschulen zu beenden und diese stattdessen für den nationalen und internationalen Wettbewerb um die besten Nachwuchswissenschaftler und Studenten zu rüsten.

«Wenn man von Marseille oder Aix spricht, denken die Menschen gemeinhin an die Sonne, das Meer und den Strand. An die Universitäten denkt kaum jemand», erklärt Berland. «Dabei sind wir beispielsweise in der Medizin bereits jetzt hinter der Ile de France das bedeutendste Forschungszentrum Frankreichs.» Doch sei dies im Namensgewirr und in der Zersplitterung der Fachbereiche bislang immer untergegangen. «Diese Kompetenz soll in Zukunft heller leuchten», betont Berland.

Aix und Marseille sollen ab sofort als ein großes universitäres Zentrum wahrgenommen werden. Hinter dem neuen Namen versteckt sich eine völlig veränderte Organisationsstruktur. Alle Lehr- und Forschungseinrichtungen der neuen Universität werden in fünf großen Sektoren zusammengefasst:

-Rechts- und Politikwissenschaften
-Wirtschaftswissenschaften und Management
-Kunst, Literatur, Sprachen und Geisteswissenschaften
-Gesundheit
-Naturwissenschaften und Technik

Nach Auskunft von Professor Berland wird es noch einige Wochen dauern, bis die Neuorganisation vollständig umgesetzt ist. Schließlich müssen unter anderem zwei Wirtschafts-Fakultäten, zwei Ingenieursschulen und nicht weniger als sechs naturwissenschaftliche Fakultäten zu jeweils einer einzigen Einrichtung verschmolzen werden. «Doch bis Ende April wird alles neu aufgestellt sein», gibt sich der Uni-Präsident zuversichtlich.

Für die Studenten ändert sich zunächst einmal wenig. Auch die neue Einteilung der Universität in fünf administrative Campus – vier in Marseille und einen in Aix – hat auf die praktische Lehre und Forschung kaum Einfluss. Das könnte sich ändern, falls Aix-Marseille in den illustren Kreis der französischen Elite-Universitäten aufgenommen wird.

Bei der von der französischen Regierung ausgerufenen Exzellenz-Initiative «IDEX» steht in diesem Monat die nächste Auswahlrunde an. Bei einem Erfolg Aix-Marseilles würde ein warmer Geldregen auf die frisch gebackene Universität niederregnen – was letztlich auch der Ausbildung der Studenten zugute käme.                       

Peter Hacker

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