22.02.2012 0

Service: Das Rettungssystem in Frankreich: SOS Médecins & Co.

Was tun im Notfall?

Was tun, wenn Sie ganz plötzlich rasende Schmerzen haben oder es Verletzte bei einem Unfall gibt – und das ausgerechnet beim Frankreichaufenthalt? Die Notrufnummer 15 ist die erste Wahl für schnelle Hilfe. Wer kaum Französisch spricht, sollte sich die 112 merken – und wenn die Sache nicht ganz so ernst ist, können Sie per 36 24 einen Arzt von SOS Médecins nach Hause bestellen, auch mitten in der Nacht.

Im Zweifel immer erst die 15 wählen», sagt Dr. Pierre Jourdan, Allgemeinmediziner in Grasse. Dort schildert man seinen Notfall und bekommt entweder sofort einen Krankenwagen geschickt, oder das Anliegen wird weitergeleitet an die Kollegen von SOS Médecins.

Letztere kommen in der Regel dann ins Spiel, wenn abzusehen ist, dass ein Transport ins Krankenhaus nicht erforderlich ist. Hat etwa das Kind hohes Fieber oder atmet wegen einer Kehlkopfentzündung schwer, und dies außerhalb der Öffnungszeiten des Hausarztes, so genügt in vielen Orten ein Anruf unter der 36 24: Dort wird der Fall abgefragt, die Adresse aufgenommen – und je nach Notfallaufkommen besucht ein Arzt den Patienten innerhalb weniger Minuten bis zu einigen Stunden zu Hause. Dringende Medizin hat der Doktor in der Regel dabei, natürlich veranlasst er im Zweifel die Einlieferung ins Krankenhaus. Abgerechnet wird direkt und unkompliziert (Besitzer der grünen carte vitale können den Arztbesuch mit der Versicherung verrechnen).

Gegründet wurde SOS Médecins übrigens 1966 von einem gewissen Dr. Lascar, Arzt für Allgemeinmedizin in Paris: Einer seiner Patienten war an einem Herzinfarkt verstorben, nachdem er an einem Samstagnachmittag keinen Arzt hatte erreichen können. Den Rettungs- dienst SAMU (Service d’Aide Médicale d’Urgence) unter der Nummer 15 gab es damals noch nicht, so dass Dr. Lascar die Idee hatte, selbst ein Netz von Notfall-Medizinern zu weben.

Heute gibt es frankreichweit 62 SOS Médecins-«Filialen», eher in den Ballungsräumen als auf dem Land, mit rund 1000 Ärzten, die jährlich zu insgesamt 2,5 Millionen Einsätzen ausrücken – rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr.

In den Alpes-Maritimes gibt es drei der SOS-Médecins-Zentralen, im Var zwei, in den Bouches-du-Rhône drei, überwiegend in Küstennähe gelegen. Wie weit ins Hinterland sie vordringen, verrät die Homepage www.sosmedecins-france.fr. Die bei SOS Médecins beschäftigten Ärzte haben keine eigene Praxis. So können sie kostenoptimiert arbeiten, und dadurch, dass sie so manchen unnötigen Transport ins Krankenhaus abfedern, wird das gesamte Gesundheitssystem entlastet.

AS

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