16.02.2012 1
Service: Die "Elsässische Neueste Nachrichten" musste ihren Betrieb einstellen
Französische Sprachpolitik tötet deutschsprachige Zeitung
In Ostfrankreich versuchen staatliche Stellen auch mit verschiedensten Mitteln zu verhindern, dass die über 1 Mio. deutschsprachigen Elsässer rein muttersprachliche Medien publizieren. Bis vor kurzem war dies sogar noch bei Strafe verboten. Insbesondere Sport- und Jugendnachrichten sollen nicht auf Deutsch erscheinen. Das Ziel der Maßnahmen ist klar.
Frankreich erkennt offiziell
nicht an, dass es in seinen Grenzen Minderheiten gibt. Deshalb hat
die Pariser Zentralregierung auch bis heute nicht die Europäische
Minderheitencharta sowie die Europäische Charta der Regionalsprachen
ratifiziert. Die Situation der Elsässer ist damit erheblich schlechter als
die von deutschsprachigen Minderheiten in Rumänien oder Ungarn.
Am Jahresanfang hat die
repressive französische Sprachpolitik ein weiteres Opfer gefordert: Die
letzte weitgehend deutschsprachige Zeitung im Elsass musste ihr
Erscheinen einstellen. Ihre Auflage ging immer weiter zurück. Kein
Wunder! Sie konnte nicht komplett in der Muttersprache der Leser
erscheinen. Die Redaktion hatte sich bis zuletzt
nicht getraut, auch
Sportnachrichten, Jugendseiten oder Familienanzeigen auf Deutsch zu veröffentlichen.
So verprellte man gezwungenermaßen neue junge Leser, anstatt sie langsam
heranziehen zu können.
Die eingegangene Tageszeitung
wurde 1877 unter dem Titel "Straßburger Neueste Nachrichten" gegründet
und hieß zuletzt "DNA-Dernieres Nouvelles d'Alsace" (Elsässische Neueste
Nachrichten). Ihr Tod ist eine kulturelle Tragödie. Die Tragweite dieses
Ereignisses wird in Anbetracht der Tatsache deutlich, dass
Straßburg die Wiege der deutschsprachigen Presse war. 1605 gründete der Drucker
Johann Karolus in der elsässischen Hauptstadt die "Relation". Es
war die erste Zeitung in deutscher Sprache und zugleich die erste Zeitung
der Welt.
Wer mehr über deutschsprachige
Medien weltweit erfahren will und für notleidende förderungswürdige
Publikationen oder Rundfunkprogramme spenden möchte, melde sich hier:
info@medienhilfe.org
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Kommentar von Horst Gutsche | 14.04.2012
Pastor Dr. Wilbert Kreiss – 1937 - 2011
Wilbert Kreiss wurde am 4. Januar 1937 in Paris in Frankreich geboren. Damals war sein Vater Frederic Pastor einer Gemeinde dort. Wilbert studierte am lutherischen Seminar in Chatenay-Malabry (ein Vorort von Paris), an der Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel/Taunus nahe Frankfurt am Main und für seinen Doktor der Theologie in Straßburg, Elsaß. Er bekam auch zwei Doktortitel honoris causa von den lutherischen Concordia Seminaren in St. Louis, Missouri und in Ft. Wayne, Indiana.
Er diente seinem Herrn als Pfarrer von 1962 bis 1964 in Chatenay-Malabry, 1964 bis 1972 in Schillersdorf, Obersoultzbach, Woerth und Lembach im Elsaß (zweisprachig; deutsch/französisch), 1973 bis 1997 als Professor und Seminardirektor an dem Seminar in Chatenay-Malabry und von 1974 bis 1992 als Vize-Präsident und 1992-2000 als Präsident der Evangelisch-Lutherischen Freikirche von Frankreich und Belgien.
Wilbert Kreiss war ein Elsässer der in der Zeit als Elsaß sowie auch Lothringen langsam mehr rein französischsprachig wurden. Nach heutigen Berichten spricht beim Schulanfang nur noch ein Prozent der Kinder der 1. Klasse der Grundschule den germanischen elsässisichen Dialekt.
Er war aber auch ein Mann den Gott zur rechten Zeit berief um sein Wort in französischer Sprache auszubreiten und wurde deshalb von vielen Studenten als „ein liebender Vater im Glauben“ bezeichnet. Er hat sehr viele Vorlesungen und Seminare für französischsprachige Theologen und Theologiestudenten in anderen Ländern gehalten. Dazu gehörte auch Kanada. Sein Schwergewicht lag auf Afrika. Dorthin hatte er 35 Reisen gemacht (15 davon in die beiden Congos). Die Ausbildung von Pastoren in den beiden Congos hatte er fleißig unterstützt. Er hatte den Lehrplan für die theologischen Kurse in französischsprachigen lutherischen Seminaren der Lutherischen Kirche - Missouri Synode geschrieben; auch für TEE – Theological Education by Extension (Fernkurse). Er war ein Patriarch der französischsprachigen lutherischen Christen in Quebec und hatte zweimal längere Seminare für diese Studenten und Studentinnen in Montreal gehalten. Er hatte auch bei der Herausgabe von „Liturgie et Cantiques Lutheriennes“ (864 Seiten mit 434 Liedern und drei Liturgieen) mitgewirkt, hatte einige Liedertexte zugesandt und eine Liturgie komplett ins Französische übersetzt. Seine Arbeit in französischer Sprache ist auf vielen Gebieten der größte Teil aller lutherischen Werke für französischsprachige lutherische Pastoren und viele davon können am Internet (www.egliselutherienne.org) gelesen werden.
Gott der Herr rief ihn heim auf dem Kontinent für den er so viel betete. Bei keiner Reise nach Afrika (etwa 35) hatte er einen Wildtierpark besucht; nur bei seiner letzten Reise am Tag bevor er starb wo er „Elefanten, Giraffen, Zebras und Löwen sah.“ Dies hatte ihm viel Freude gemacht. Er wurde beim Nachtschlaf am 24. Oktober 2011 in Moshi, Tanzania in die Ewigkeit abgerufen. Er war dort um die Feierlichkeiten anlässlich der Herausgabe des Konkordienbuches in Kiswahili beizuwohnen. Am Tag vor seinem Abscheiden hatte er zweimal gepredigt.
Er war Pfarrer, Theologe, Prediger, Berater und Musiker und hatte über 50 Bücher geschrieben oder übersetzt darunter auch Kommentare in französischer Sprache für den Römerbrief, Philipper und Micha usw. Er hat auch den lutherischen Katechismus in ein einfaches Französisch für die Leute übersetzt die diese Sprache nicht als Muttersprache haben. Bedacht war er auf andere die in ihrem Schriftverständnis und im Glauben wachsen wollten. Auch im Ruhestand blieb er Seelsorger und korrespondierte mit verschiedenen Leuten in vielen Ländern. Er war kein Politiker. Wir beten nicht die Heiligen an aber wir erinnern uns an ihren Dienst und ihr Beispiel und so danken wir Gott für Wilberts Dienst.
Die Trauerfeier wurde am 5. November, 2011 in der Evangelischen Landeskirche in Woerth im Elsaß in Frankreich gehalten. Die Kirche war voll besetzt.
Er hinterläßt seine Frau Marguerite, Töchter Helene (Olivier) Brillaux, Nathalie (Gerard) Penin, Cathy (Pierre) Steuer und Idelette (Valdo) Besson und zehn Enkelkinder.
In Frankreich gibt es um die 250,000 lutherische Christen und in dem walloonischen Teil von Belgien 800. In Afrika, Quebec und in Haiti gibt es immer mehr Gläubige die ihren Herrn in ev.-lutherischen Kirchengemeinden in französischer Sprache anbeten. Allein die Lutherische Kirche von Madagaskar hat etwa 3,000,000 getaufte Glieder. In Tschad hat die Kirche der Lutherischen Brüder in ihren Gemeinden und Predigtorten einen durchschnittlichen sonntäglichen Gottesdienstbesuch von 101,737 und in Kamerun 121,494. In beiden Ländern hat diese Kirche ein theologisches Seminar und in 11 Bibelschulen in Tschad und sechs in Kamerun. Die Evangelisch-Lutherische Kirche von Kamerun hat 253,000 Getaufte, in der Demokratischen Republik der Kongo (eine ehemalige belgische Kolonie) gibt es 136,000 Getaufte und in der Republik Kongo (eine ehemalige französische Kolonie mit der Hauptstadt Brazzaville)1,828 sowie 4,000 in Senegal, 40,000 in Ruanda und 55,000 in der Zentral Afrikanischen Republik. Die Evangelisch-Presbyterianische Kirche von Togo, von Missionaren aus Deutschland gegründet und von Deutschland noch unterstützt, hat 180,000 Getaufte. Es gibt auch noch lutherische Kirchen in den französischsprachigen Ländern Togo, Benin, Elfenbeinküste = Cote d’Ivoire, Guinea und Burkina Faso. In Kanada gibt es folgende Städte in denen es Gottesdienste in französischer Sprache gibt: Montreal (Pastor David Somers), Quebec, St. Lambert, Sherbrooke (Pastor Razafy Razafindrakoto), St. Jean-sur-Richelieu (alle in der Provinz Quebec) und Regina (Saskatchewan). Die Evangelisch-Lutherische Wisconsin Synode (WELS – Canada) hat eine Gemeinde in Drummondville in Quebec (Pastor Alain Chapdelaine). Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Haiti hat etwa 44,150 getaufte Glieder. Sie hat 192 Gemeinden und eine wöchentlichen Gottesdienstbesuch von 32,475. Nach einem Bericht aus dem Jahr 2009 unterhält sie 120 Gemeindeschule für 15,000 Schüler. Auch in den USA gibt es jetzt einige lutherische Gemeinden französischer Sprache.
Soli Deo Gloria (Gott allein die Ehre)
Pastor Jean Thiebault Haessig – Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche – Synode von Frankreich; Pastor James E. May Jr. – Direktor von der Lutheran Heritage Foundation – Afrika und Direktor von Lutherans in Afrika. – Nairobi, Kenya; übersetzt und ergänzt mit verschiedenen Angaben von Pastor Horst Gutsche, Barrhead, Alberta.
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