14.02.2012 1
Provence & Côte d’Azur: Andauernde Kältewelle lässt die Gefahr von Stromausfällen wachsen
Energieversorgung der Region PACA am seidenen Faden
Spaziergänger auf der Promenade des Anglais müssen ihrem Vergnügen abends und nachts vorerst im Dunkeln frönen. Die Stadt Nizza hat, wie an anderen öffentlichen Plätzen und Gebäuden auch, die Beleuchtung abgestellt. Der Grund: Die seit Tagen herrschenden eisigen Temperaturen ließen den Stromverbrauch auf neue Rekordhöhen emporschnellen und damit die Gefahr eines Stromausfalls in der Region wachsen.
Deshalb hat auch die Stadtverwaltung Marseilles dazu aufgefordert, Strom zu sparen, und ging selbst mit gutem Beispiel voran: Das Rathaus, der Palais du Pharo, der Palais Longchamp oder auch der Espace Mode an der Einkaufsstraße Canebière, sonst festlich ausgeleuchtet, bleiben dunkel. Beide Städte folgen damit einem Aufruf der «Réseau de transport d’électricité» (RTE) an die Bürgermeister Frankreichs, gerade in den Zeiten des abendlichen Spitzenverbrauchs von 18 bis 20 Uhr Strom zu sparen. RTE ist eine Tochter des staatlichen Stromversorgers EDF und betreibt in dessen Auftrag nahezu das gesamte französische Netz an Hochspannungsleitungen.
Doch genau hier liegt der Grund für den drohenden Blackout. In der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) kann von einem Leitungsnetz nämlich keine Rede sein. Vielmehr hängt ihre Versorgung am seidenen Faden – beziehungsweise einer einzigen 400 000-Volt-Leitung. Zu diesem Umstand gesellt sich die Tatsache, dass die Region PACA nur einen Bruchteil ihres Strombedarfs selbst erzeugt und deshalb mehr als andere Regionen auf die Fernleitungen angewiesen ist.
Neben diesen regionalen Ursachen spielen auch frankreichspezifische Faktoren eine Rolle: Das Land deckt seinen Strombedarf zu knapp 80 Prozent durch Nuklearenergie ab. Doch Atommeiler können ihre Kapazität nur langsam steigern, kurzfristige Nachfrageschübe gehen sofort auf Kosten der Netzstabilität. Hinzu kommt, dass die Franzosen ihre Häuser und Wohnungen mehr und mehr mit Elektroheizungen ausrüsten. Gesellt sich zu diesem Cocktail – wie derzeit der Fall – eine ungewöhnliche Kälteperiode, ist das Szenario perfekt, aus dem Stromausfälle gemacht sind.
Allerdings verspricht die RTE Abhilfe. Zwar nicht für diesen Winter und auch nicht mehr für dieses Jahr, doch immerhin bis zur Mitte dieser Dekade. RTE investiert nach eigenen Angaben insgesamt 290 Millionen Euro in ein «Sicherheitsnetz», das aus drei unterirdischen 225 Kilovolt-Leitungen besteht. Zusammen 110 Kilometer lang, sollen diese Leitungen Strom transportieren, der aus erneuerbaren Energiequellen, vor allem Fotovoltaik-Anlagen, eingespeist wird. Bereits im Jahr 2010 hatte RTE 85 Millionen Euro in die Verbesserung der Leitungen gesteckt, vor allem in die zwischen Draguignan (Var) und Nizza. Immerhin halten seitdem die Netze. Der letzte Stromausfall datiert aus dem Jahr 2009, als etwa zwei Millionen Menschen zwischen Marseille und Nizza für mehrere Stunden im Dunkeln und Kalten saßen. Wenn diese Städte nun von sich aus das Licht ausschalten, dürfte eigentlich nichts mehr schiefgehen …
Peter Hacker
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Kommentare
Kommentar von Max Jager | 18.02.2012
Na typisch französischer Schlendrian. Große Klappe und Grand Nation spielen, aber der staatliche Energierversorger iEDF st nicht in der Lage, bei entwas kälteren Temperaturen genug Strom durch sein marodes Leitungsnetz zu fördern. Hauptsache man hat Atombomben und vergeutet die Steuereinnahmen für allen möglichen Blödsinn. Zentralafrika läßt grüßen.
Grüsse Max Jager, Frankfurt/Main
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