20.12.2011 1

Kunst & Kultur: „Begehbares Stilleben“ von Barjac jetzt in den Kinos - Ausstellung im Burda Museum

Nach Seidenfabrik „La Ribaute“: Wahlprovencale Anselm Kiefer will nun ein Atomkraftwerk kaufen

Anselm Kiefer, einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler, ist wieder einmal in aller Munde. Anderthalb Jahrzehnte verwandelte er in der Provence eine Industriebrache in ein riesiges Gesamtkunstwerk. Jetzt ist in den Kinos ein Film über das Projekt angelaufen. Kiefer selbst hat angekündigt, als nächstes ein stillgelegtes Atomkraftwerk kaufen zu wollen, um es an sein „eigenes Netz hängen“. Wer aktuell Werke von Kiefer sehen will, kann das in Baden-Baden noch bis Mitte Januar tun.

Gemälde Kiefer
Merkaba, 2010. Copyright: © 2011 Gagosian Gallery

Dort zeigt der Kunstsammler Frieder Burda, der in Mougins jahrelang Picassos Nachbar und Kunde war, auch Arbeiten von Pablo Picasso, Max Beckmann und Gerhard Richter.

Im südfranzösischen 1 500-Seelen-Dörfchen Barjac (Département Gard) hatte Anselm Kiefer über knapp 15 Jahre eine ehemalige Seidenfabrik („La Ribaute“) auf einem 35 Hektar großen Gelände in ein begehbares Stillleben verwandelt. Von diesem mystischen Kosmos aus Natur und Kunst handelt der neue Dokumentarfilm „Over Your Cities Grass Will Grow“ der britischen Regisseurin Sophie Fiennes.

Hautnah taucht die Filmemacherin in den - wie sie sagt - alchemistischen Schaffensprozess“ des Künstlers ein. Aus der hügeligen Landschaft, alten Industriegebäuden, Gewächshäusern, Archiven, Material- und Bildspeichern Studioräumen, einem eigens gegrabenen Labyrinth aus unterirdischen Tunneln und einer Serie von Betontürmen erwächst eine fremdartige Siedlung. Architektur, Malerei, Installationen und Landschaft verbinden sich einem Gesamtkunstwerk.

Mit dem ausrangierten Atomkraftwerk von Mülheim-Kärlich und seinem Umfeld will der 66-jährige Donaueschinger „jetzt noch einen draufsetzen.“ Wie, weiß er selbst noch nicht genau. Aber allein die Kühlturm-Architektur hat ihn nach eigenen Angaben derart fasziniert, dass er der dem Atommeiler in Rheinland-Pfalz unbedingt einen neuen Sinn geben will. Mit dem Relikt des Atomzeitalters scheint er jedenfalls etwas ähnliches vorzuhaben wie damals mit „La Ribaute“ im Languedoc-Roussillon. Das sei „insofern also nichts Provokatives“, sagte Kiefer in der Fernsehsendung „Kulturzeit“ (3SAT).

Vor dem Hintergrund der Katastrophe von Fukushima und des jüngst beschlossenen deutschen Atomausstiegs erntete er damit gleichwohl große Aufmerksamkeit. Das AKW Mülheim-Kärlich nahe Koblenz war 1988 nach nur dreizehnmonatiger Laufzeit wegen Mängeln abgeschaltet worden. Seit sieben Jahren wird es zurückgebaut. Spätestens 2013 sollen auch die Kühltürme fallen.

Bekannt geworden ist der vielfach ausgezeichnete Beuys-Schüler durch seine unentwegte und höchst herausfordernde Art deutscher Vergangenheitsbewältigung. Erst 1993 - mit seinem Umzug nach Frankreich hatte sich der Baden-Württemberger von dieser Thematik gelöst.

Aufmerksamkeit und Kritik hatte Kiefer geerntet, als er die Bilder von Jean Genet mit den Medien-Bildern vom Terroranschlag vom 11. September 2001 verglich und sie als „das perfektestste Bild“ bezeichnete, „das wir seit den Schritten des ersten Mannes auf dem Mond gesehen haben“, weil sie alle Parameter der Kunst erfüllten.

Der Louvre in Paris bestellte bei ihm das erste Auftragswerk des Museums seit 1953! 2007 wurde das Ergebnis feierlich enthüllt: Das 14 mal 4 Meter große Gemälde zeigt einen auf dem Boden liegenden nackten Mann, der - laut Kiefer - mit dem Universum verbunden ist.

Rolf Liffers

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Kommentare

Kommentar von Andreas Bohlender | 21.04.2012

Stillgelegte Atomkraftwerke sind keine Kunstobjekte, sondern müssen abgerissen werden. Restlos! Andreas Bohlender, 56068 Koblenz

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