06.02.2012 0
Kunst & Kultur: Ausstellung mit Fotos der Berliner Mauer aus den 60er Jahren noch bis 3. März in Südfrankreich
Aix: Horror von der anderen Seite
Alle Welt kennt die Ansichten der Berliner Mauer von der Westseite. Der Horror von der anderen Seite, vom Osten, ist in den 1960er-Jahren von Grenzsoldaten der DDR dokumentiert und zum ersten Mal zum 50. Jahrestag des Mauerbaus in Berlin gezeigt worden.
Annett Gröschner und Arwed Messmer haben die Zeugnisse der Vergangenheit in ihrer brutalen Alltäglichkeit aus den Archiven gezerrt. Panorama-Aufnahmen der 43 Kilometer langen Schandmauer mitten durch Berlin mit Bildern vom Potsdamer Platz, von der Bernauer Straße oder von der Oberbaumbrücke sind nur ein Teil der Arbeit, die das Duo dokumentiert. Annett Gröschner kommentiert die von Arwed Messmer ausgewählten Bilder mit Texten aus den DDR-Archiven, erinnert an Schicksale aus dem Todesstreifen zwischen Ost und West mit Hilfe von «vertraulichen Verschlusssachen», die von der Flucht der 20-jährigen Renate H. in der Nacht vom 9. auf den 10. August 1965 künden. Oder vom Tod der 37-jährigen Hildegard Trabant, die am 18. August 1964 von einem 20-jährigen Soldaten erschossen wird. Der Schütze bekommt ein Extra-Lob von seinen Vorgesetzten, wird aber 1998, fast zehn Jahre nach dem Fall der Mauer, von einem Berliner Gericht zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt.
Die Ausstellung «De l’autre côté», die vom Centre Franco-Allemand in Aix mitorganisiert wird, ist noch bis zum 3. März in der Cité du Livre in der Bibliothèque Méjanes von Aix-en-Provence zu sehen.
Peter Bausch
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